Märchenhafte Zugreise oder Touristenfalle?
Die Flambahn oder norwegisch Flåmsbana ist weltbekannt und steht bei viele Reisenden und Touristen bei ihrem Roadtrip durch Norwegen hoch im Kurs.
Die Flåmbahn (Flåmsbana – im folgenden Flambahn) in Norwegen gilt als eine der beeindruckendsten Bahnstrecken der Welt. Mit einer der steilsten Eisenbahnstrecken auf Normalspur in Europa verbindet sie das kleine Dorf Flåm, das tief im Aurlandsfjord liegt, mit dem hochgelegenen Myrdal auf der Bergenbahn. Die 20 Kilometer lange Strecke überwindet dabei einen Höhenunterschied von 866 Metern und bietet eine unvergessliche Reise durch atemberaubende Landschaften mit tosenden Wasserfällen, tiefen Schluchten und steilen Berghängen. Ein Grund, warum sie bei mir nicht auf der Liste stand, denn wie ihr bestimmt schon wisst, sind Touristenansammlungen und Touristenattraktionen so gar nicht mein Fall. Allerdings habe ich natürlich schon vor unserer Reise darüber nachgedacht und etwas recherchiert, denn die Fahrt mit der Flambahn soll eine der schönsten und beeindruckendsten Eisenbahnstrecken der Welt sein.
Unsere Rückreise von Laerdal nach Oslo
Nachdem wir festgestellt hatten, dass es früh morgens noch keine Bus Verbindungen nach Oslo gibt, war die einzige Möglichkeit ohne nochmals eine Nacht in Oslo zu verbringen mit dem Zug zu fahren. Und wer hätte es gedacht, unser Zug fährt über Myrdal.
Tja, und so finde ich mich dann morgens doch in der Schlange zwischen all den Touristen wieder. Die Bahnkarten hatten wir online gekauft für 550 NOK, also nicht unbedingt ein Schnäppchen für eine einstündige Fahrt. Und von weitem sehe ich schon das Kreuzfahrtschiff und ganze Menschentrauben nähern sich dem Bahngleis, an dem die historische Bergbahn bis zu zehnmal am Tag (andere Fahrzeiten im Winter) von Flam nach Myrdal fährt. Na das kann ja heiter werden…
Unser Weg nach Oslo und von dort zurück nach Deutschland führt uns also noch einmal quer durch Norwegen. Und wir sind nicht die Einzigen, die einen Koffer dabei haben. Im Gegenteil, viele der Touristen haben sogar riesige Koffer oder Backpacks dabei.
Die Flambahn von Flam nach Myrdal
Meine Mutter hat im Vorfeld gelesen, dass man auf der linken Seite (in Fahrtrichtung) der Bahn eine viel schönere Aussicht hat, also schlängeln wir uns nach Kontrolle unserer Fahrkarten in den Zug, verstauen unser Gepäck und machen es uns auf der linken Seite des Zuges bequem. Wir haben Glück und bekommen einen Fensterplatz. Bis es losgeht vergehen noch ein paar Minuten und der Zug füllt sich bis auf den letzten Platz. Auch alle Ablagefächer sind bis unter´s Dach voll bis wir das Zughorn hören. Absolut pünktlich rollt der Zug vom Bahnsteig ab.
Dass man auf der linken Seite nicht die bessere Sicht hat, das merke ich schon nach wenigen Minuten. Meine Mutter schaut schuldbewusst drein, aber so schlimm ist es gar nicht. So kann ich zwar keine schönen Bilder machen, aber dafür die Aussicht in vollen Zügen genießen.


Geschichte der Flåmbahn
Die Idee einer Bahnstrecke durch das steile und zerklüftete Tal von Flåm entstand bereits Ende des 19. Jahrhunderts, als man eine Verbindung zwischen den Fjorden und der Bergenbahn schaffen wollte. Der Bau der Strecke begann 1923 und dauerte fast 20 Jahre. 1940 wurde die Flåmbahn offiziell eröffnet und diente zunächst hauptsächlich dem Warentransport. Später erkannte man das touristische Potenzial der Strecke, und heute ist sie eine der beliebtesten Attraktionen Norwegens.
Die Strecke und ihre Highlights
Die Flåmbahn beginnt in Myrdal, einer Station auf der Bergenbahn, die Oslo mit Bergen verbindet. Von hier aus fährt der Zug in Serpentinen hinunter nach Flåm. Die gesamte Fahrt dauert etwa 50 Minuten, doch die Eindrücke, die man sammelt, bleiben ein Leben lang.
Die Aussicht ist phänomenal!
Nachdem wir das historische Dörfchen Flam hinter uns gelassen haben, wird die Strecke nun gebirgsartig. Man merkt regelrecht, wie die Strecke nun deutlich steiler wird und wir den Berg erklimmen. Auch wenn ihr vielleicht bislang meinen Unmut über die Situation herauslesen konntet, ist die Aussicht tatsächlich grandios, da gibt es nichts zu rütteln. Die steilste Eisenbahn der Welt zeigt uns nun eine eindrucksvolle Naturkulisse. Einsame Bergdörfer tun sich unter uns auf. Tiefe Schluchten neben hohen Felsketten machen das Bild einzigartig.
Auf ca. der Hälfte der Strecke in Berekvam halten wir und es scheint nichts zu passieren. Ah doch, ein Bahnangestellter scheint tatsächlich noch die Bahngleise zu überprüfen. Stopp mal, da sind ja nochmal Gleise. Die Flambahn ist nämlich eingleisig, hier gibt es also die einzige Möglichkeit einer Kreuzung. Nun verstehe ich auch die absolut pünktliche Abfahrt. Nur so kann die Kreuzung zweier Züge auf der Hälfte der Strecke funktionieren. Nun stehen also zwei komplett besetzte Reisezüge am Bahnsteig in Berekvam. Bis wir uns wieder bewegen vergehen insgesamt ca. 5-7 Minuten.
Der Wasserfall Kjosfossen
Ein Highlight der Strecke ist der Halt am Kjosfossen-Wasserfall. Dieser imposante Wasserfall stürzt aus einer Höhe von 225 Metern in die Tiefe und bietet ein spektakuläres Naturschauspiel. In den Sommermonaten gibt es hier eine besondere Attraktion: Eine mystische, in Rot gekleidete Frau erscheint auf den Felsen und tanzt zu norwegischer Volksmusik. Diese Inszenierung basiert auf der Legende der Huldra, einer verzaubernden Waldnymphe aus der nordischen Mythologie. Während sich die Flambahn immer wieder durch Bögen und Tunnel schiebt, bietet sich erneut ein wahnsinnig schöner Blick in ein fast ursprünglich wirkendes Tal.
Unser nächster Stop ist am Kjosfossen, ein Wasserfall der 840 Meter über dem Meeresspiegel liegt und eine Fallhöhe von 93 Metern hat. Der Kjosfossen ist nur mit der Flambahn erreichbar. Hier kann man aussteigen, der Zug macht ca. 5 Minuten Pause bis er das letzte Stück nach Myrdal fährt. Vorne an der Plattform rauscht es ohrenbetäubend, Gischt sprüht auf die Fotolinse und dann taucht auch noch bei romantischer Musik eine Dame in rotem Gewand oben neben dem Wasserfall auf und tanzt zur Musik. Eigentlich Kitsch vom Feinsten, aber ganz kann man sich dem Zauber des Ortes doch nicht entziehen.
Von hier geht es das letzte Stück hoch bis Myrdal. Hier gibt ein Café, das eher einem Kiosk gleicht. Dort gibt es auch Toiletten, ansonsten gibt es nur Züge, zumindest direkt am Gleis. Allerdings können von hier natürlich ebenfalls Wanderungen oder Fahrradtouren unternommen werden. Wir müssen allerdings gleich weiter, denn unser Zug Richtung Oslo startet in ca. 10 Minuten.
Tunnel und Serpentinen
Die Bahnstrecke verläuft durch 20 Tunnel, von denen viele von Hand in den Fels geschlagen wurden. Besonders beeindruckend ist der Vatnahalsen-Tunnel, der eine Haarnadelkurve beschreibt und es dem Zug ermöglicht, in der steilen Umgebung sicher abzusteigen. Insgesamt sind etwa 80 % der Strecke mit einer Steigung von 5,5 % versehen, was die Flåmbahn zu einer der steilsten Normalspurbahnen der Welt macht.
Das Flåmtal
Das Tal von Flåm, durch das die Bahn fährt, ist von grünen Wiesen, steilen Felswänden und malerischen Bauernhöfen geprägt. Man passiert kleine Dörfer, alte Kirchen und Holzbrücken, die das Bild einer typisch norwegischen Landschaft zeichnen. Besonders im Frühjahr und Sommer bietet das Tal eine beeindruckende Farbenpracht, während der Herbst mit seinen goldenen Wäldern und der Winter mit schneebedeckten Gipfeln einen ganz eigenen Zauber versprühen.

Das Dörfchen Flam vom Wasser aus
Warum die Flåmbahn so besonders ist
Die Flåmbahn ist nicht nur eine technische Meisterleistung, sondern auch eine Reise in die faszinierende Natur Norwegens. Sie verbindet die Fjorde mit dem Hochgebirge und bietet eine der besten Möglichkeiten, die dramatische Landschaft Westnorwegens zu erleben, ohne auf Wanderungen oder Bootsfahrten angewiesen zu sein.
Darüber hinaus ist die Flåmbahn ein Paradebeispiel für nachhaltigen Tourismus. Die Züge werden mit Strom betrieben, der aus Wasserkraft gewonnen wird, und die gesamte Infrastruktur ist darauf ausgelegt, die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten.
Tipps für die perfekte Reise mit der Flåmbahn
Beste Reisezeit
Die Flåmbahn ist das ganze Jahr über in Betrieb, und jede Jahreszeit hat ihren eigenen Reiz:
- Frühling (April bis Juni): Die Wasserfälle sind besonders eindrucksvoll, da das Schmelzwasser aus den Bergen in Strömen fließt.
- Sommer (Juli bis August): Die beste Zeit für warme Temperaturen und grüne Landschaften, allerdings auch die Hauptsaison mit vielen Touristen.
- Herbst (September bis Oktober): Bunte Blätter und klare Luft sorgen für eine malerische Kulisse.
- Winter (November bis März): Eine magische Reise durch eine verschneite Wunderlandschaft, oft begleitet von frostig klaren Tagen und blauem Himmel.
Tickets und Buchung
Da die Flåmbahn sehr beliebt ist, empfiehlt es sich, Tickets im Voraus zu buchen, besonders in der Hochsaison. Die Tickets können online oder an den Bahnhöfen in Flåm und Myrdal gekauft werden.
Kombination mit anderen Attraktionen
Viele Reisende kombinieren die Flåmbahn mit anderen Highlights der Region:
- Fjordkreuzfahrt durch den Nærøyfjord: Eine Bootsfahrt auf diesem UNESCO-geschützten Fjord ist eine perfekte Ergänzung zur Zugreise.
- Wanderung zum Stegastein-Aussichtspunkt: Von hier aus hat man eine atemberaubende Sicht auf den Aurlandsfjord.
- Besuch des Flåm Eisenbahnmuseums: Hier erfährt man mehr über den Bau und die Geschichte der Flåmbahn.
Alle Fakten auf einen Blick
In Flam könnt ihr definitiv eine märchenhafte Zugreise erleben. Einziges Manko sind für mich tatsächlich nur die vielen Touristen und der Preis. In wieweit das für euch entscheidend ist könnt ihr selbst entscheiden. Hier nochmals die Fakten auf einen Blick:
- Die Flambahn ist 20 km lang
- Auf der Strecke gibt es 20 Tunnel
- Die Bauzeit betrug 20 Jahre
- Die Fahrkarte gibt es ab 450 NOK (je nach Kurs ca. 45 Euro)
- Die Fahrt dauert ca. 1 Stunde
- Es gibt verschiedene Haltestellen an denen ihr aussteigen könnt. Von hier führen verschiedene Wanderwege ebenfalls nach Myrdal
- Es gibt einen Stop in Kjosfossen, hier könnt ihr euch den Wasserfall von ganz nahe anschauen
- Mit deutlicher Mehrheit sind die Aussichten auf der rechten Seite (also in Fahrtrichtung rechts) viel schöner, als auf unserer Seite, wo man öfter nur auf Felswände schaut
Fazit: Ein unvergessliches Erlebnis
Die Flambahn ist weit mehr als nur eine Zugstrecke – sie ist eine Reise durch die spektakuläre Natur Norwegens und eine Hommage an die Ingenieurskunst vergangener Zeiten. Wer das Land der Fjorde besucht, sollte sich dieses Abenteuer nicht entgehen lassen. Ob im Sommer mit grünen Wiesen oder im Winter mit tief verschneiten Landschaften – die Fahrt mit der Flambahn bleibt ein unvergessliches Erlebnis, das jeden Besucher nachhaltig beeindruckt.
Wart ihr schon einmal in Norwegen oder steht es auf eurer Bucket List? Dann schaut euch doch meinen „Norwegen Reiseführer“ an.
Pinne „Flam – Märchenhafte Zugreise oder Touristenfalle?“ bei Pinterest
Hat dir dieser Beitrag gefallen? Dann freue ich mich wenn du ihn teilst oder mir einen Kommentar da lässt. Falls du über neue Blogbeiträge informiert werden möchtest, dann abonniere lustloszugehen doch per E-Mail.
10 Comments
Sicher eine sehr schöne Strecke, die der Zug da fährt. Mal abgesehen vom doch recht stattlichen Preis, würden mich aber letztendlich die Menschenmassen davon abhalten mit diesem Zug zu fahren. Die atemberaubende norwegische Landschaft erkunde ich dann lieber auf anderen Wegen. 😉 Lg Carina
Ja die Bahnstrecke ist wirklich wunderschön. Danke für deinen Bericht und deine Bilder.
LG aus Norwegen
Ina
Hallo Isa, du beschreibst da ein Dilemma, in dem sich wohl jeder Reisende schon einmal befunden hat. Einerseits möchte man die schönen und bekannten Sehenswürdigkeiten erleben, andererseits ist es meist an diesen immer ziemlich überlaufen. Ich denke, das muss man von Fall zu Fall abwägen – die Flam-Bahn hätte ich mir sicher auch nicht entgehen lassen.
Liebe Grüße,
Cornelia
Liebe Isa,
dein Bericht liest sich zu beginn ja echt recht skeptisch aber mit dir und deinen tollen Bildern ist auch meine Begeisterung für die Flambahn-Fahrt gestiegen. Es hat eben einen Grund, warum so viele Touristen diese Fahrt gerne machen. Manchmal hat die Masse halt doch recht. 🙂 Die Bilder geben dem zumindest recht. Liebe Grüße, Ina
Ein schöner Bericht! Die Preise sind tatsächlich ganz schön gesalzen, andererseits ist diese Fahrt auch ein Touristenmagnet und überall anders wird auch Profit daraus geschlagen, wenn Sehenswürdigkeiten gut besucht sind… Damit muss man sich wohl abfinden.
Aber wow, was man da unterwegs alles zu sehen bekommt! Ich glaube gerne, dass die Flambahn defintiv einen Besuch wert ist!
Der Wasserfall hat mich am meisten beeindruckt! Wunderschöne Fotos wieder einmal! Toller Beitrag!
Liebe Grüße, Kay.
twistheadcats
Wow, da sind ja wirklich massenhaft Menschen auf den Bildern zu sehen! Obwohl ich nicht so der Bahnfan bin – diese Fahrt muss wirklich beeindruckend sein. Nun, wenn ich jemals in den Genuss komme – wer weiß – dann weiß ich auf alle Fälle wo ich mich hinsetzen muss.
Zudem schaut die Strecke ja wirklich wie ein absolutes „Must“ aus. Tolle Fotos, die Du hier präsentierst.
Weiterhin viel Spaß und liebe Grüße,
Doris
Oh je, das erinnert mich an meine Besuche in Rom. Zwar atemberaubend schön, aber Touristen en masse, die ich mir am liebsten weggewünscht habe. Ich versteh deine Bedenken also total. Wäre für mich auch ein Abturn gewesen… Aber ja, Aussicht und Attraktionen machen’s dann doch irgendwie immer wett, sodass man die andern Touristen zähneknirschend in Kauf nimmt. 😀
norwegen steht auf jeden fall schon seit langem auf meiner bucketlist – da möchte ich unbedingt bald mal hin!! die kleine zugreise schaut wirklich spektakulär aus! sowas mag ich auch mal machen 🙂 danke für’s teilen!
alles liebe,
laura
Das Thema berührte uns auf unserer diesjährigen Rundreise durch Norwegen auch. Bewusst entschieden wir uns gegen die Fahrt. Nach dem wir zwei fantastische Landschaftsrouten in Norwegen gefahren sind, konnte uns vor Ort die Situation nicht überzeugen Geld in die Fahrt zu investieren. Wer die Gamle Strynefjellsvegen und die höchste Passstraße Norwegens, Sognefjellet, gefahren ist, kann sich die Geldausgabe ohne schlechtes Gewissen zu haben sparen. Wer die Fahrt gerne unternehmen möchte, sieht auch hier beeindruckende Landschaftsbilder wie überall in Norwegen.
Viele Grüße, Michaela
Da habe ich schon so viele Monate und Jahre in Norwegen verbracht – und hab tatsächlich vier der großen Touristen-Highlights nie gesehen, darunter die Flambahn (neben Geiranger, Peikestolen und Lofoten). Dein Text macht so richtig Lust auf diese Fahrt durch die Natur!