Europa

Die Flambahn im Westen Norwegens

Märchenhafte Zugreise oder Touristenfalle?

Die Flambahn oder norwegisch Flåmsbana ist weltbekannt und steht bei viele Reisenden und Touristen bei ihrem Roadtrip durch Norwegen hoch im Kurs.

Ein Grund, warum sie bei mir nicht auf der Liste stand, denn wie ihr bestimmt schon wisst, sind Touristenansammlungen und Touristenattraktionen so gar nicht mein Fall. Allerdings habe ich natürlich schon vor unserer Reise darüber nachgedacht und etwas recherchiert, denn die Fahrt mit der Flamsbahn soll eine der schönsten und beeindruckendsten Eisenbahnstrecken der Welt sein.

Die weltbekannte Flambahn im Süden Norwegens

Unsere Rückreise von Laerdal nach Oslo

Nachdem wir festgestellt hatten, dass es früh morgens noch keine Bus Verbindungen nach Oslo gibt, war die einzige Möglichkeit ohne nochmals eine Nacht in Oslo zu verbringen mit dem Zug zu fahren. Und wer hätte es gedacht, unser Zug fährt über Myrdal.

Die weltbekannte Flambahn im Süden Norwegens

Tja, und so finde ich mich dann morgens doch in der Schlange zwischen all den Touristen wieder. Die Bahnkarten hatten wir online gekauft für 550 NOK, also nicht unbedingt ein Schnäppchen für eine einstündige Fahrt. Und von weitem sehe ich schon das Kreuzfahrtschiff und ganze Menschentrauben nähern sich dem Bahngleis, an dem die historische Bergbahn bis zu zehnmal am Tag (andere Fahrzeiten im Winter) von Flam nach Myrdal fährt. Na das kann ja heiter werden…

Die weltbekannte Flambahn im Süden Norwegens

Unser Weg nach Oslo und von dort zurück nach Deutschland führt uns also noch einmal quer durch Norwegen. Und wir sind nicht die Einzigen, die einen Koffer dabei haben. Im Gegenteil, viele der Touristen haben sogar riesige Koffer oder Backpacks dabei.

Die Flambahn von Flam nach Myrdal

Meine Mutter hat im Vorfeld gelesen, dass man auf der linken Seite (in Fahrtrichtung) der Bahn eine viel schönere Aussicht hat, also schlängeln wir uns nach Kontrolle unserer Fahrkarten in den Zug, verstauen unser Gepäck und machen es uns auf der linken Seite des Zuges bequem. Wir haben Glück und bekommen einen Fensterplatz. Bis es losgeht vergehen noch ein paar Minuten und der Zug füllt sich bis auf den letzten Platz. Auch alle Ablagefächer sind bis unter´s Dach voll bis wir das Zughorn hören. Absolut pünktlich rollt der Zug vom Bahnsteig ab.

Dass man auf der linken Seite nicht die bessere Sicht hat, das merke ich schon nach wenigen Minuten. Meine Mutter schaut schuldbewusst drein, aber so schlimm ist es gar nicht. So kann ich zwar keine schönen Bilder machen, aber dafür die Aussicht in vollen Zügen genießen.

Die Aussicht ist phänomenal!

Nachdem wir das historische Dörfchen Flam hinter uns gelassen haben, wird die Strecke nun gebirgsartig. Man merkt regelrecht, wie die Strecke nun deutlich steiler wird und wir den Berg erklimmen. Auch wenn ihr vielleicht bislang meinen Unmut über die Situation herauslesen konntet, ist die Aussicht tatsächlich grandios, da gibt es nichts zu rütteln. Die steilste Eisenbahn der Welt zeigt uns nun eine eindrucksvolle Naturkulisse. Einsame Bergdörfer tun sich unter uns auf. Tiefe Schluchten neben hohen Felsketten machen das Bild einzigartig.

Auf ca. der Hälfte der Strecke in Berekvam halten wir und es scheint nichts zu passieren. Ah doch, ein Bahnangestellter scheint tatsächlich noch die Bahngleise zu überprüfen. Stopp mal, da sind ja nochmal Gleise. Die Flambahn ist nämlich eingleisig, hier gibt es also die einzige Möglichkeit einer Kreuzung. Nun verstehe ich auch die absolut pünktliche Abfahrt. Nur so kann die Kreuzung zweier Züge auf der Hälfte der Strecke funktionieren. Nun stehen also zwei komplett besetzte Reisezüge am Bahnsteig in Berekvam. Bis wir uns wieder bewegen vergehen insgesamt ca. 5-7 Minuten.

Der Wasserfall Kjosfossen

Während sich die Flambahn immer wieder durch Bögen und Tunnel schiebt, bietet sich erneut ein wahnsinnig schöner Blick in ein fast ursprünglich wirkendes Tal.

Unser nächster Stop ist am Kjosfossen, ein Wasserfall der 840 Meter über dem Meeresspiegel liegt und eine Fallhöhe von 93 Metern hat. Der Kjosfossen ist nur mit der Flambahn erreichbar. Hier kann man aussteigen, der Zug macht ca. 5 Minuten Pause bis er das letzte Stück nach Myrdal fährt.  Vorne an der Plattform rauscht es ohrenbetäubend, Gischt sprüht auf die Fotolinse und dann taucht auch noch bei romantischer Musik eine Dame in rotem Gewand oben neben dem Wasserfall auf und tanzt zur Musik. Eigentlich Kitsch vom Feinsten, aber ganz kann man sich dem Zauber des Ortes doch nicht entziehen.

Die weltbekannte Flambahn im Süden Norwegens

Von hier geht es das letzte Stück hoch bis Myrdal. Hier gibt ein Café, das eher einem Kiosk gleicht. Dort gibt es auch Toiletten, ansonsten gibt es nur Züge, zumindest direkt am Gleis. Allerdings können von hier natürlich ebenfalls Wanderungen oder Fahrradtouren unternommen werden. Wir müssen allerdings gleich weiter, denn  unser Zug Richtung Oslo startet in ca. 10 Minuten.

Die weltbekannte Flambahn im Süden Norwegens

Das Dörfchen Flam vom Wasser aus

Alle Fakten auf einen Blick

In Flam könnt ihr definitiv eine märchenhafte Zugreise erleben. Einziges Manko sind für mich tatsächlich nur die vielen Touristen und der Preis. In wieweit das für euch entscheidend ist könnt ihr selbst entscheiden. Hier nochmals die Fakten auf einen Blick:

  • Die Flambahn ist 20 km lang
  • Auf der Strecke gibt es 20 Tunnel
  • Die Bauzeit betrug 20 Jahre
  • Die Fahrkarte gibt es ab 450 NOK (je nach Kurs ca. 45 Euro)
  • Die Fahrt dauert ca. 1 Stunde
  • Es gibt verschiedene Haltestellen an denen ihr aussteigen könnt. Von hier führen verschiedene Wanderwege ebenfalls nach Myrdal
  • Es gibt einen Stop in Kjosfossen, hier könnt ihr euch den Wasserfall von ganz nahe anschauen
  • Mit deutlicher Mehrheit sind die Aussichten auf der rechten Seite (also in Fahrtrichtung rechts) viel schöner, als auf unserer Seite, wo man öfter nur auf Felswände schaut

Wart ihr schon einmal in Norwegen oder steht es auf eurer Bucket List? Dann schaut euch doch meinen “Norwegen Reiseführer” an.

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Die Flambahn in Norwegen

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Optimistische, sportbegeisterte & sture Trotzdem-Macherin. Seit ich 2012 das erste Mal meinen Rucksack gepackt habe, bin ich zum Reise-Suchti mutiert. Immer auf der Suche nach dem Neuen und Unbekannten.

10 Kommentare

  1. Sicher eine sehr schöne Strecke, die der Zug da fährt. Mal abgesehen vom doch recht stattlichen Preis, würden mich aber letztendlich die Menschenmassen davon abhalten mit diesem Zug zu fahren. Die atemberaubende norwegische Landschaft erkunde ich dann lieber auf anderen Wegen. 😉 Lg Carina

  2. Hallo Isa, du beschreibst da ein Dilemma, in dem sich wohl jeder Reisende schon einmal befunden hat. Einerseits möchte man die schönen und bekannten Sehenswürdigkeiten erleben, andererseits ist es meist an diesen immer ziemlich überlaufen. Ich denke, das muss man von Fall zu Fall abwägen – die Flam-Bahn hätte ich mir sicher auch nicht entgehen lassen.
    Liebe Grüße,
    Cornelia

  3. Liebe Isa,
    dein Bericht liest sich zu beginn ja echt recht skeptisch aber mit dir und deinen tollen Bildern ist auch meine Begeisterung für die Flambahn-Fahrt gestiegen. Es hat eben einen Grund, warum so viele Touristen diese Fahrt gerne machen. Manchmal hat die Masse halt doch recht. 🙂 Die Bilder geben dem zumindest recht. Liebe Grüße, Ina

  4. Ein schöner Bericht! Die Preise sind tatsächlich ganz schön gesalzen, andererseits ist diese Fahrt auch ein Touristenmagnet und überall anders wird auch Profit daraus geschlagen, wenn Sehenswürdigkeiten gut besucht sind… Damit muss man sich wohl abfinden.

    Aber wow, was man da unterwegs alles zu sehen bekommt! Ich glaube gerne, dass die Flambahn defintiv einen Besuch wert ist!

    Der Wasserfall hat mich am meisten beeindruckt! Wunderschöne Fotos wieder einmal! Toller Beitrag!

    Liebe Grüße, Kay.
    twistheadcats

  5. Wow, da sind ja wirklich massenhaft Menschen auf den Bildern zu sehen! Obwohl ich nicht so der Bahnfan bin – diese Fahrt muss wirklich beeindruckend sein. Nun, wenn ich jemals in den Genuss komme – wer weiß – dann weiß ich auf alle Fälle wo ich mich hinsetzen muss.
    Zudem schaut die Strecke ja wirklich wie ein absolutes “Must” aus. Tolle Fotos, die Du hier präsentierst.
    Weiterhin viel Spaß und liebe Grüße,

    Doris

  6. Oh je, das erinnert mich an meine Besuche in Rom. Zwar atemberaubend schön, aber Touristen en masse, die ich mir am liebsten weggewünscht habe. Ich versteh deine Bedenken also total. Wäre für mich auch ein Abturn gewesen… Aber ja, Aussicht und Attraktionen machen’s dann doch irgendwie immer wett, sodass man die andern Touristen zähneknirschend in Kauf nimmt. 😀

  7. norwegen steht auf jeden fall schon seit langem auf meiner bucketlist – da möchte ich unbedingt bald mal hin!! die kleine zugreise schaut wirklich spektakulär aus! sowas mag ich auch mal machen 🙂 danke für’s teilen!

    alles liebe,
    laura

  8. Das Thema berührte uns auf unserer diesjährigen Rundreise durch Norwegen auch. Bewusst entschieden wir uns gegen die Fahrt. Nach dem wir zwei fantastische Landschaftsrouten in Norwegen gefahren sind, konnte uns vor Ort die Situation nicht überzeugen Geld in die Fahrt zu investieren. Wer die Gamle Strynefjellsvegen und die höchste Passstraße Norwegens, Sognefjellet, gefahren ist, kann sich die Geldausgabe ohne schlechtes Gewissen zu haben sparen. Wer die Fahrt gerne unternehmen möchte, sieht auch hier beeindruckende Landschaftsbilder wie überall in Norwegen.
    Viele Grüße, Michaela

  9. Da habe ich schon so viele Monate und Jahre in Norwegen verbracht – und hab tatsächlich vier der großen Touristen-Highlights nie gesehen, darunter die Flambahn (neben Geiranger, Peikestolen und Lofoten). Dein Text macht so richtig Lust auf diese Fahrt durch die Natur!

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