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Kolumbien – So viel mehr als Gewalt, Koks und Pablo Escobar (Gastbeitrag)

Eine Reise entlang der Karibikküste von der Grenze zu Panama bis zum nördlichsten Punkt Südamerikas 

Denkt man an Kolumbien fällt einem zuerst einmal viel Gewalt ein. Ja, es ist ein Land, das seit Jahrhunderten unendlich viele Tote beklagen und noch mehr Leid ertragen musste: 

Im 15. Jahrhundert die „Eroberung Amerikas“ durch die Spanier, die die Ermordung und Auslöschung von ganzen indigenen Bevölkerungsgruppen (in damals noch Neugranada) herbeiführte. Die Jahrhunderte lange koloniale Besetzung und Sklaverei durch die spanische Krone und westliche Firmen, die Kautschuk, Kohle, Gold oder Bananen uvm. exportieren – bis zum heutigen Tage. 1819 der Unabhängigkeitskampf gegen Spanien, der mit Groß-Kolumbien und Simon Boliviar, dem Staatshelden, als Präsident endete. 

Lange und blutige Kämpfe zwischen Liberalen und Konservativen der Beginn der sog. „Phase der Violencia“. Und später im 20. Jahrhundert der bewaffnete Konflikt in dem Guerillas, Paramilitärs und das kolumbianische Militär die Landbevölkerung in den Andenregionen zu Hunderttausenden vertrieben und ermordet haben – laut der „Wahrheitskommission“ zwischen 450000 und 800000 Ermordete. In der selben Zeit wurden die Städte von einem blutigen Drogenkrieg erschüttert, der mit Bomben- und Mordanschlägen auf die höchsten Ebenen der Gesellschaft geführt wurde. 

Und bis heute ist Kolumbien der größte Kokain-Exporteur weltweit und im Jahr 2022 wurde mehr Koks produziert als jemals in seiner Geschichte. Und immer noch verschwinden täglich Menschen und werden ermordet. 

Ich finde es ist unglaublich wichtig auch diese traurigen Fakten zu kennen, vor allem um das Land und die Menschen besser verstehen zu können.

Kolumbien, Strand

Aber im Folgenden möchte ich euch von einem Kolumbien berichten, dass so viel mehr als Gewalt, Koks und Pablo Escobar hat. Da das Land mehr als drei Mal so groß ist wie Deutschland (mit nur über 50 Mio. Einwohnern) werde ich mich natürlich nur auf einen Teil beschränken, den ich sehr liebe und wo ich seit 2020 viel Zeit verbracht habe, an der wundervollen Karibikküste.

Westlicher Teil der kolumbianischen Karibikküste von der Grenze zu Panama bis Santa Marta

Capurgana/Zapzurro

Ich habe die Reise mit dem Nachtbus in Medellín begonnen und bin am frühesten Morgen, vor der Affenhitze (sehr angenehm!) in Necoclí angekommen. Man kann theoretisch auch ab Turbo ein Boot nehmen, um den Golf von Urabá zu überqueren oder mit dem Flugzeug anreisen. Der Flughafen dort kommt einem mit den spielenden Kindern und der trocknenden Wäsche etwas skurril vor, aber bis nach Capurgana führt eben keine Straße.

Also vom Bus ab zum Meer und die Ansammlung von Menschen suchen, die auf die Speedboote warten. Die zweistündige Fahrt kann etwas wild und nass werden, je nachdem wie die Wetterlage so ist. 

Angekommen im kleinen Hafen von Capurgana, das geografisch zur Region Choco gehört, sieht man schon die stark bewaldeten, grünen Berghänge hinter dem Örtchen aufsteigen. Man kann hier nicht nur herrliche Spaziergänge von einer Bucht zur anderen machen, z.B. bis zum Playa Aguacate und sich von einem Fischer mit seinem Boote zurück fahren lassen. Das Meer ist hier eher etwas rauer mit starken Wellen und Strömungen.

Im Hinterland erstreckt sich ein einzigartiger Dschungel mit der typischen kolumbianischen Artenvielfalt: Bunte (giftige!) Frösche, Amphibien und Insekten aller Art. Vögel in jeglicher Größe und Farbe (am Strand kann man unter anderem Pelikane beim Fischen oder die Tukane in den Bäumen beobachten). Und die Brüllaffen habe ich leider immer noch nicht zu Gesicht bekommen, obwohl ihre Schreie sehr deutlich zu hören waren. 

Von Capurgana kann man entweder ein Boot bis nach Sapzurro, einem noch kleineren Standörtchen nehmen oder über einen Hügel mit herrlichem Aussichtspunkt wandern. 

Und von dort aus bis Panama, La Miel ist es dann nur noch einen Hügel hinauf. Als ich hier war, war die Grenze allerdings noch wegen Covid geschlossen.

Außerdem gibt es in Capurgana unterschiedliche Tauchschulen, die Kurse und Einzeltauchgänge anbieten, eine herrliche französisch-kolumbianische Bäckerei, La Buena Miga und natürlich ganz viel leckeres Seefood und „Coco-Loco“ in Liegestühlen zum Sonnenuntergang („Coco-Loco“ ist ein Cocktail mit Rum, der in einer Kokosnuss serviert wird).

Für mich bis jetzt noch unentdeckt, aber sicher einen Besuch wert, ist das etwas weiter südlich gelegene Fischerdörfchen Arcadí, wo im März das Festival de la Tortuga Caná gefeiert wird. Hier liegen die vom Aussterben betroffenen Riesenmeeresschildkröten Caná und die Karettschildkröten, ihre Eier ab und ihre Babies müssen den gefährlichen Weg über den Strand zum Meer schaffen. 

Kolumbien, eine Reise durch Südamrika

Karibikfeeling pur im San Bernardo-Archipel

Für mich ging die wilde Fahrt über den welligen Ozean zurück bis nach Necocli und von dort mit dem Bus über Montería bis in die bei kolumbianischen Touristen beliebte Stadt Tulo. Eine Nacht hier in einem traditionellen Hotel (für damals umgerechnet ca. 10 Euro) hat mir gelangt und ich habe mein Bootticket auf die Isla Mucura gebucht. Viele machen dort einen Tagesausflug hin, was bedeutet, dass es sich auf jeden Fall lohnt auf einer Insel des San Bernardo-Archipels zu übernachten. Ab vier Uhr, als die letzten Boote die Inseln verlassen haben, war ich hier fast alleine am Strand und hatte zum ersten Mal ein richtiges Karibikgefühl mit den unterschiedlichsten blau bis türkis Tönen im Wasser und einem Sternenhimmel, der seines gleichen sucht. 

Es war damals schwierig oder sehr teuer sich vorab eine Unterkunft auf der Isla Mucura zu buchen. Es gibt dort neben großen Luxusresort, die die halbe Insel einnehmen auch einen kleinen Ort mit einigen billigen Hostels. Ich habe damals am Hauptstrand für eine kleines Zimmerchen ca. 15 Euro gezahlt. Es gibt mehrere einfache Holzunterkünfte, die auf Stelzen stehen und unter denen ein Restaurant leckeren frisch gefangenen Fisch serviert. Lustigerweise ist es eine große Familie, die diese unterschiedlichen Restaurants betreibt.

Freunde haben mir berichtet, dass es auf der etwas größeren Insel Tintipan kein Dorf gibt, sondern nur einige (teure) Ressorts an wundervollen weißen Sandstränden am karibischen Meer gelegen. 

Eine weitere Besonderheit ist die künstliche Insel Santa Cruz de Islote, die eine der meist besiedelten Inseln der Welt sein soll und an der sich Haus an Haus auf Stelzen aneinander festzuhalten scheinen. Der Sohn des Hotels hat mit mir einen kleinen Ausflug gemacht und es wirkt als würde er die 779 Einwohner (2020), 65% unter dem 18. Lebensjahr, persönlich kennen. Auf jeden Fall wurde ich vielen Menschen vorgestellt…

Eine Besonderheit ist hier das nicht ganz billige Casa en el Aqua – ein Hostel, dass mitten im Archipel auf Stelzen steht.

Von all diesen Orten aus werden Schnorrcheltouren und Tauchgänge angeboten. 

Die Familie des Hotels hat mich an einem Abend eingeladen auf eine kleine Bootstour zu gehen. Ziel: Schwimmen in illuminierendem Plankton. Man fühlt sich als würde man im Himmel mit den Sternen schwimmen und wenn man untertaucht kann man das Klappern der Krabben hören. Magisch!

Ein kleiner Tipp: Erstens gibt es auf den Inseln keinen Bankautomaten. Also genug Geld einstecken. Und Wasser ist verhältnismäßig teuer. Für Sparfüchse lohnt sich also auf dem Festland einzukaufen.

Kolumbien, Paradies, Strand, Wasser

Cartagena de Indias  – eine Perle der kolonialen Architektur

Zweieinhalb Stunden bringt mich das Boot diesmal nach Cartagena. Aus der Ferne sieht man erst mal die Hotel-und Hochhausburgen von Bocagrande bis man in der Nähe der kolonialen Altstadt von Bord geht. Diese alte Hochburg des Sklavenhandels wurde damals sehr reich und das sieht man bis heute in der wunderschönen Architektur. 1985 wurde sie zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt und das nicht ohne Grund: 

Die Gässchen schlägeln sich an bunten Häuschen entlang, herrliche blühende Blumen und Kakteen schmücken die Straßen. Vor dem strahlend blauen Himmel flattern bunte Fähnchen und überall laden kleine Parks mit Bänken zum Ausruhen im Schatten der alten Bäume ein.

Eine der unterschiedlichen – auf Spenden basierten – Stadtführungen (FreeWalkingTours) lohnen sich auf jeden Fall, um mehr über die Geschichte dieser bedeutenden Hafenstadt mit dem großen Sklavenhafen und die historischen Gebäude zu erfahren.

Für Freunde alter Befestigungsanlagen hat Cartagena mehreres zu bieten. Unter anderem eine mit besonders schöner Aussicht über den Hafen und die Stadt  – das Castillo San Felipe de Barajas, das 1536 gebaut wurde.

Und da sich die Stadt vor vielen Piratenangriffen schützen musste, wird sie von einer alte Stadtmauer eingefasst. Diese kann man beispielsweise durch die Puerta de Reloj, dem schönen, hellen Uhrturm dem damaligen Haupteingang betreten oder sich Richtung Getsemani auf den Weg machen.

Nur 10 Minuten vom historischem Stadtzentrum entfernt liegt dieses Künstlerviertel. Hier sollte man sich einige Stunden Zeit nehmen und einen Spaziergang durch die kleinen Gassen mit den faszinierenden Graffitis jeglicher Couleur, den alten Kirchen, leckeren Restaurants und gemütlichen Kaffees machen.

Außerdem ist Cartagena natürlich für sein Nachtleben und die viele Musik bekannt, vor allem den Salsa. Bei nächtlichen Ausflügen dröhnt aus vielen Eingängen oder von StraßenmusikantInnen wilde Rhythmen und man muss einige Mal den anklappernden Pferdekutschen aus dem Weg springen. Leider ist diese Stunde auch die Stunde der Diebe, also achtet auf eure Sachen!

Für mich ging es mit einer Bekannten „a dedo“, als per Anhalter, weiter bis nach Santa Marta. Die beiden, unglaublich netten Menschen, die uns mitgenommen haben, waren etwas fassungslos, dass wir in Kolumbien per Anhalter fahren. Da ist etwas, dass man erst versteht, wenn man einige Zeit in diesem Land verbracht hat, ist mein Eindruck: Kolumbien ist mit Sicherheit nicht ungefährlich, aber ich glaube längst nicht so gefährlich, wie es viele KolumbianerInnen empfinden. Aber das finde ich auch nicht erstaunlich angesichts einer so gewaltvollen Vergangenheit, die vielen Unschuldigen das Leben gekostet hat.

Über Barranquilla kann ich nicht viel sagen, außer dass es sehr heiß ist, der Karneval ein richtiges Erlebnis sein muss und der gigantische Rio Magdalena hier ins Meer strömt.

Östlicher Teil: Santa Marta bis Punto Gallinas – der nördlichste Punkt Südamerikas

Santa Marta – zu unrecht verachtet

Santa Marta steht stark im Schatten von Cartagena, hat keinen besonders guten Ruf und hat mich daher dann doch positiv überrascht. Auch hier gibt es eine kleine Altstadt mit einigen schönen historischen Gebäuden und Kirchen, sowie einen „Malecon de Bastidas“, von dem aus man den Sonnenuntergang über dem Meer beobachten kann. Wer historisch interessiert ist sollte die „Qinta de San Perdo Alejandrino“ besuchen in der Simon Bolivar seine letzten Lebensjahre verbracht hat. 

Außerdem ist es herrlich sich bei einem Stadtspaziergang einfach mal in den vollen Gassen treiben zu lassen, das Leben auf der Straße zu beobachten und sich in einem kleinen Vorgarten ein traditionell peruanisches „Ceviche“, ein Gericht mit rohem Fisch oder Shrimps, schmecken zu lassen. 

Die Strände, um die Stadt herum sind typische Stadtstrände, also meiner Meinung nach nichts Besonderes.

Aber da gibt es ja zum Glück noch die Umgebung um Santa Marta.

Minca – wer der Hitze mal entfliehen möchte

Kurz noch mal weg vom Meer und in das ca. 600 Meter über dem Meeresspiegel gelegene kleine Dörfchen Minca. Hier ist die Hitze nicht so drückend, wie an manchen Tagen an der Küste und man kann sehr schöne Dschungelwanderungen zu Wasserfällen (Cascada de Marinka), natürlichen Pools (Pozo Azul), Kaffee-und Kakaotouren und dabei immer wieder die spektakulären Ausblicke (Los Pinos) aufs Meer oder die Sierra Nevada genießen. Wer das möchte, sollte allerdings früh aufbrechen, da nachmittags häufig Nebel aufziehen und man dann kaum mehr die Hand vor Augen sehen kann – so ging es mir ;-))

Sierra Nevada de Santa Marta und die Cuidad Perdida

Morgens, bevor die Nebel aufziehen und die Gipfel verstecken, kann man die monströsen, schneebedeckten Riesen der Sierra Nevada de Santa Marta, dem höchsten Küstengebirge der Welt, bewundern. 

Mit 5775 m über dem Meeresspiegel ist der höchste Berg der Sierra Nevada, der Pico Cristobal Colón, auch der höchste Berg Kolumbiens und heilig für die vier – in dieser Region noch lebenden – indigenen Stämme, die Kogi, Arhuaco, Wiwa und Kankuamo. 

Wer mehr über ihre Kultur und die ihrer Vorfahren, der Tayrona, erfahren möchte, kann sich hier auf ein 4-5 tägiges Abenteuer aufmachen: Die Verlorene Stadt oder Cuidad Perdida der Tayrona. Diese Wanderung kann man nur im Rahmen einer organisierten Tour machen und ist auch nicht ganz billig (im Juli 23 waren es 1.750.000 COP bei Magic Tours). Ich selbst habe Magic Tour 2021 als Anbieter gewählt und war absolut zufrieden. Unsere Leiterin hat uns tiefe Einblicke in die Kultur der Indigenen geben können und der Koch hat uns mit sehr leckerem Essen versorgt. 

Die Wanderung beginnt in einem kleinen Dorf, führt erst durch Farm- und Weideland bis man das Gebiet der Indigenen betritt und sich auf einmal in einem dichten Dschungel befindet. Körperlich sollte man schon fit sein, da es 6-8 Stunden wandernd auf und ab geht, bei (teilweise) recht hohen Temperaturen und einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit. Aber das Schwitzen lohnt sich: Nach den letzten 1200 Stufen, die man frühmorgens nach einer Flussüberquerung erklimmt, erhascht man die ersten Blicke auf die ca. 200 runden Terrassen, auf denen damals die Häuser standen und Landwirtschaft betrieben wurde. Baubeginn dieser Stadt war im 9. Jahrhundert und erst mit der Ankunft der Spanier und der Ausbreitung der von ihnen gebrachten Seuchen, musste sie aufgeben werden. Für viele Jahrhunderte wusste niemand (außer vermutlich die Indigenen) von ihrer Existenz bis sie in den 70er Jahren von Grabräubern wieder entdeckt wurde.

Vom obersten Punkt aus hat man eine unglaubliche Aussicht über die Terrassen, die sich vor den grünen, unwegsamen Hängen der Sierra erstrecken, kann den Schreien der Tukane zuhören und sich in andere Kulturen und Zeiten träumen. 

Hier konnten wir dann auch mit einer Tochter des Häuptlings der Kogi sprechen, unsere Fragen stellen und auch (ohne Bedenken) Fotos machen…

Trotz der relativ hohen Kosten kann ich diese Tour wärmstens empfehlen, um einen umfangreichen Einblick in die indigenen (alten und aktuellen) Kulturen zu bekommen.

So nun aber zurück zum Meer.

Kolumbien – So viel mehr als Gewalt, Koks und Pablo Escobar

Tanganga – ein Dorf voller Tauchschulen

Das alte Fischerdorf, mit seinen teils ungeteerten Straßen und etwas herunter gekommenen Häusern, ist durch seine Nähe zum Nationalpark Tayrona (dazu später noch mehr), seine vielen Tauchschulen und als Urlaubsort für viele kolumbianische TouristInnen bekannt. 

Sowohl der Strand im Ort, als auch der fußläufig oder mit dem Boot erreichbare „Playa Grande“ sind kleine Buchten in denen sich das Türkis des Meeres und das Weiß des Sandes mit den wüstenartigen Hängen zu einem wunderschönen Anblick verbindet. Vom Dorfstand aus kann man am Abend einen spektakulären Sonnenuntergang über dem Meer bewundern. 

Allerdings sollte man sich von der Ruhe, die dieser Ort auszustrahlen scheint nicht täuschen lassen. Tanganga ist auch für seine schreibend lauten „Fiestas“ bekannt (und hat mir eine schlaflose Nacht in einer Hängematte beschert).

Parque Nacional Natural Tayrona

Meiner Meinung nach ein absolutes Muss an der Karibikküste! 

Dieser Nationalpark zieht sich über 35 km an der Küste entlang. Zwischen den herrlichen weißen Sandstränden mit ihren Palmen am kristallklarem Meer und den Höhen der Sierra Nevada de Santa Marta, dem höchsten Küstengebirge der Welt. 

Die meisten TouristInnen besuchen den Park nur für einen Tages- oder Tauchausflug, wobei ich definitiv ein bisschen mehr Zeit einplanen würde. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten im Park zu übernachten: Vom preiswerten Schlafen in der Hängematte (z.B. Camping Don Pedro oder Camping Arrecifes) oder dem Zelt, über mittelpreisige Hostels bis hin zu teuren Luxusressorts.

Wer es etwas abenteuerlicher haben will, sollte nicht den Haupteingang „El Zaino“ nehmen, sondern sich in Calabaza mit dem Mototaxi bis in „El Pueblito“ fahren lassen (im Ort kann man sein Gepäck für wenig Geld in einer Tienda lagern). Von „El Pueblito“, einem typischen indigenen Dörfchen, das zu meiner Zeit allerdings geschlossen war, läuft man für ca. 3 Stunden durch den grünen, grünen, grünen Urwald, quasi ohne einer Menschenseele zu begegnen, bis sich einem der Blick auf das wunderschöne karibische Meer bietet. (Man kann hier entweder zum „Playa Brava“, „Playa Nudista“ oder der „Cabo San Juan“, dem Hauptstrand laufen). Mir ist auf diesem Weg nur eine Familie der indigenen Kogi begegnet. Hier möchte ich euch bitten so respektvoll zu sein und auf das Fotografieren zu verzichten!

Auch für Tierbegeisterte hat der Park durchaus etwas zu bieten: Neben den unzähligen Vögeln, die es zu beobachten gibt, hatte ich das Glück unterschiedliche Affenarten beim Mango-Fressfest, einen 2 Meter langen Kaiman im kleinen Flüsschen in der „Cabo San Juan“ und Baby-Kaimane im Camping Don Pedro bewundern zu dürfen.

Wer sehr auf sein Budget achtet, hier ein kleiner Tipp: Da die Restaurants und vor allem das Wasser im Park im Vergleich recht teuer sind, empfiehlt es sich, vorher einzukaufen.

Kolumbien – So viel mehr als Gewalt, Koks und Pablo Escobar

Buritaca – ein unbekannter Ort, der einiges zu bieten hat

Den Ort Buritaca und seine Umgebung wird von den meisten Touristen auf dem Weg vom Parque Tayrona nach Palomino einfach durchfahren. 

Dabei gibt es hier so einiges zu erleben:

Wer Lust auf eine Party in eine traumhaften, am Fluss Buritaca gelegenen Hostel, hat, sollte sich im „El Rio-Hostel“ einmieten und die Nacht durch tanzen.

Und immer zu Vollmond gibt es in der „La Ponderosa“ ein kleines Festival. Die Ponderosa ist ein Hostel, dass mit unglaublich leckerem vegetarischem Essen und einem Sandstrand am Fluss nicht ganz leicht zu erreichen ist. Man muss mit dem Moto-Taxi fast eine Stunde in die Sierra Nevada fahren und dann drei Flüsse überqueren oder aber, wenn einem das zu wagemutig ist, drei Stunden den Fluss Buritaca hoch laufen.

Auch das nicht ganz billige „Viajero Tayrona“ Hostel muss in diesem Zusammenhang noch genannt werden. Ein ehemaliges Boutique-Hotel, dass von der kleinen „Viajero“-Hostelkette übernommen wurde. Eine traumhafte Anlage an einem noch traumhafteren Strand, der denen im Parque Tayrona schon sehr nahe kommt. Neben dem leckeren Restaurant und Bar bieten sie ein umfangreiches Programm an, das von Yoga, Muy Thai oder Beachvolleyball über Grill-und Tanzabenden bis hin zu Tubing (in LKW-Reifen lässt man sich den Fluss herunter treiben und kann dabei die unberührte Natur des Ufers bewundern. Sonnencreme nicht vergessen!). 

Auch in diesem Hostel befindet sich die Surfschule OLALA, die von zwei super netten Surflehrern geleitet wird und neben dem Verleih von Equipment und Stunden auch hervorragenden Kaffee anbietet. 

Als letztes Hostel in dieser Reihe möchte ich das „El Cielo“ Hostel nennen. Wer den anstrengenden Aufstieg gemeistert hat, dem bietet sich eine unglaubliche Aussicht über die gesamte Küste. 

In der Umgebung von Buritaca kann man wundervolle Ausflüge zu unterschiedlichen Wasserfällen und natürlichen Pools machen, die in den Flüssen im Hinterland versteckt sind. Da lässt sich der Quebrada Valencia nennen, wo der Fluss sich über eine riesen Steinplatte in kleinen Pools sammelt und den Berg herunter sprudelt, die Poza sagrada, wo ein kleiner Wasserfall in ein Becken mit kristallklarem Wasser fließt und die Pozo …, wo der Fluss in einen kleinen Teich stürzt.

Palomino – ein Dorf für jeden Geschmack

Im Hintergrund die hohen Gipfel der Sierra Nevada, von zwei Flüssen eingefasst, liegt das kleine Dorf Palomino ca. zwei Stunden von Santa Marta entfernt in der Region „La Guajira“. Im Gegensatz zu Buritaca ist Palomino sowohl bei internationalen als auch bei kolumbianischen BackpackerInnen beliebt – aber auch aus gutem Grund wie ich finde.

Hier findet jeder Geldbeutel, was er sucht: Von hippen Hostels wie dem „The Dreamer“, (mit eigener Surfschule), den „Tiki-Huts“ oder dem „Selina“ bis hin zu meinem Zuhause in Palomino, dem „La Aldea“, in dem sich KünstlerInnen, MusikerInnen und Budget-Reisende vermischen und so gefühlt eine kleine Familie entsteht, die zusammen Musik macht und den schattigen Garten mit den Hängematten genießt. 

Und warum ist Palomino so beliebt? 

Ich finde es hat eine ganz besondere Energie: Es ist ein Potpurri aus BackpackerInnen, KünstlerInnen, die auf der Straße ihr „Artesania“ und Produkte verkaufen, MusikerInnen, die sich abends am „Oficina“ treffen und jamen, Kogi, die am Strand nach Muscheln sammeln und den EinwohnerInnen, die sich auch fleißig unter die Leute mischen. Da für so einen kleinen Ort einige Menschen aus unterschiedlichsten Ländern hängen geblieben sind, gibt es eine große Anzahl leckerer, teils internationaler Restaurants, sehr viel leckere Meerestiere und dank der „panederia frances“ und „La sierrita“ sogar gutes Brot. (Vielleicht fällt euch auf, dass mir Brot in Kolumbien sehr fehlt ;-))

Der Strand erinnert erst mal nicht unbedingt an einen Karibikstrand, weil das Wasser eher trüb ist und es oft Wellen gibt. Man kann hier also gut Surfen (mir wurde allerdings gesagt: eher für Anfänger geeignet) oder einfach nur Spaziergängen am Meer entlang bis an die Flussmündungen des Río Palomino (ca. 15 Minuten vom Ort) oder dem Río San Salvador (ca. eine Stunde, absolut traumhaft) unternehmen. 

DIE Tätigkeit hier ist das Rivertubing auf dem Río Palomino, wo man die Natur im Hinterland und die Ruhe auf dem Fluss genießen kann. Man erkennt die Teilnehmenden dann oft am fetten Sonnenbrand 😉 

In Palomino gibt es eine große spirituelle Gemeinschaft, die unterschiedliche Zeremonien, Yoga (herrlich z.B. direkt am Strand) oder Meditation anbieten. 

Aber es gibt genau so viele Parties und Live-Musik in den unterschiedlichen Bars, Hostels oder Stränden (z.B. Playa Colombia) mit teilweise wirklich guten Djs.

Wichtig zu wissen: Bringt genug Bargeld mit, da es keinen Bankautomaten in Palomino gibt. Der nächste ist in Mingueo.

La Guajira – wie auf einem anderen Planeten

Weiter die Küste entlang Richtung Venezuela sieht man immer weniger Touristen, die an den teils wunderschönen Stränden spazieren, die Flamingos in der kristallklaren Lagune von Camarones bewundern oder die immer trockener werdende Landschaft mit haushohen Kakteen und ausgetrockneten Salzseen durchqueren:

La Guajira ist der Lebensraum der Wayúu, die hier unter schwersten und ärmlichsten Bedingungen sehr traditionell leben. Und La Guajira ist auch der Ort an dem Millionen und aber Millionen Dollar an der Bevölkerung vorbei fließen, nämlich in Form von Kohle, die hier der kolumbianischen Erde geraubt wird und amerikanischen oder europäischen Firmen viel, viel Geld bringen. „El Cerrejón“ oder wie es bei den Wayúu heißt, das „Monster“ soll auch den deutschen Kohleausstieg unterstützen. Dafür werden hier Menschen vertrieben, zwangsumgesiedelt, in 12 Stunden-Schichten ausgebeutet, die Flüsse umgeleitet und ausgetrocknet, die Umwelt und Gesundheit der dortigen Bevölkerung zerstört. Und La Guajira bleibt die zweitärmste Provinz Kolumbiens, in der Kinder verhungern und verdursten (5000 in den letzten Jahren rund um die Mine!) und sich ein schweizer Unternehmen (Glencore) eine „schwarze“ Nase verdient.

Nun aber zurück zu unserer Entdeckungstour durch diese so gebeutelte und trotzdem so faszinierende Region:

Am Einfachsten organisiert man eine Tour von Palomino oder Santa Marta aus oder aber, wenn man abenteuerlustig ist, viel Geduld hat und ausreichend gut spanisch spricht, kann man sich in Rio Ancha einem Jeep anschließen, der dich dann nach Cabo de la Vela oder Punto Gallina fährt. (Ich hatte das unglaubliche Glück mit einem Freund auf dem Motorrad zu fahren. Ein richtiges Abenteuer samt Steckenbleiben in der ausgetrockneten Salzebene und der Überfahrt unseres „Motos“ in einem ganz normalen kleinen Fischerboot!)

Cabo de la Vela – Kitesurfen in the middle of nowhere

Dieser Ort, an dem die Zeit still zu stehen scheint und der nur über sandige, holprige Straßen erreicht werden kann, ist für seine optimalen Kitesurf-Bedingungen bekannt. Mehr als 300 Tage im Jahr von Dezember bis September konstanter Wind, ein karibisch-türkises Meer mit durchschnittlich 27 Grad Wassertemperatur, wunderschöne Sonnenuntergänge und Sternenhimmel, die ihres gleichen suchen und Schlafen in der Hängematte oder Chinchorro, von Hand gewebte Riesenhängematten – all dies macht den Besuch in Cabo de la Vela so unvergesslich.

Punto Gallinas – der nördlichste Punkt Südamerikas

Wer immer noch nicht genug hat und noch ein bisschen weiter die Touristenpfade verlassen will, kann noch weiter die Küste bis zum Punto Gallinas durchfahren. Man rast im Jeep (oder in meinem Fall auf dem Motorrad) durch ausgetrocknete Salzebenen, die Sonne spiegelt sich über der mondartigen Landschaft, im Hintergrund flackert das gleißende Blau des Meeres bis man in der Ferne die gelb schimmernden Sanddünen aus der Landschaft hervorstechen sieht. Ich kam mir wirklich vor wie auf einem anderen Planeten.

Luxus sollte man hier natürlich nicht erwarten, dafür kann man in der Chinchorro direkt am Strand schlafen und aus ihr der Sonne beim Untergehen zuschauen.

Auf der Fahrt bis dorthin werden die Jeeps oft von Wayúu-Kindern mit Hilfe von hochgezogenen Seilen angehalten und sie fragen nach Süßigkeiten oder Ähnlichem. 

Falls ihr vorher etwas einpacken wollt, lieber Obst oder sauberes Wasser, das in dieser Region nicht vorhanden ist.  

Wunderbares, wildes, abwechslungsreiches und ausgebeutetes Kolumbien. 

Ich wünsche dir, dass deine unendliche Schönheit erhalten bleibt und man irgendwann nicht mehr nur an Gewalt und Drogen denkt, wenn man über dich spricht!

Ich denke an das türkise, glitzernde Meer, dass mit leisem Flüstern die weißen Sandstrände umspült, an die massiven Berge, die als undurchdringliches Grün vor dir auftauchen, an fliegende Kolibris und bunte Schmetterlinge, an lachende und tanzende Menschen und an die Weisheit der Völker, die hier immer schon lebten und bin dankbar!

Über Carina

Mein Name ist Carina Lindemann und 2020 bin ich in Kolumbien in
Quarantäne gelandet. Ich habe mich in Land und Leute verliebt und
versuche seit dem mir hier als Yoga-Lehrerin und selbstständige
Online-Suchtberaterin mein Leben aufzubauen. Ich möchte meinen Traum –
ein Hostel – verwirklichen und einen Ort schaffen, an dem ich meine
Leidenschaft für Yoga und das Reisen mit Anderen teilen kann. Ich möchte
ein Zuhause weit weg von Zuhause schaffen!

Schaut gerne mal bei Carina vorbei auf https://yoga-home-colombia.com oder https://systematische-suchtberatung.de

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Optimistische, sportbegeisterte & sture Trotzdem-Macherin. Seit ich 2012 das erste Mal meinen Rucksack gepackt habe, bin ich zum Reise-Suchti mutiert. Immer auf der Suche nach dem Neuen und Unbekannten.

1 Comment

  1. Hallo Isa,
    vielen Dank, dass du deine Leidenschaft für das Reisen so mitreißend teilt. Nach diesem virtuellen Ausflug entlang der kolumbianischen Karibikküste steht sie definitiv ganz oben auf meiner Reiseliste!

    Mit Vorfreude auf Abenteuer und tropische Vibes,
    Lena

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