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Strömung – ein ganz natürliches und doch nicht ungefährliches Phänomen – ein Wissenspost.

Ob man nun surft, kitet, foilt, schwimmt, badet oder einfach in den Wellen planscht. Im Meer herumzutollen ist einfach großartig! Insbesondere jetzt, in den Sommermonaten, fahren viele gerne ans Wasser, um dort ihren Urlaub zu verbringen. Die Sonne im Gesicht, die Füße im Sand, ein kühles Getränk in der Hand und ganz viel Meer um einen herum – ein Träumchen!

Strömung – ein ganz natürliches und doch nicht ungefährliches Phänomen

So schön die Momente am Wasser auch sein können – es gibt immer wieder Situationen, in denen es brenzlig werden kann. Denn viele Dinge, die im Meer, an Seen oder Flüssen passieren und ganz natürlich sind, werden unterschätzt. Dazu zählen insbesondere Strömungen und/oder nicht erkennbare Strudel, die jährlich zu vielen Notrufen und manchmal leider auch tragischen Unfällen führen.

Aufgrund der zeitweisen Schließung von Freibädern, nicht stattgefundenen Schwimm- und Sportkursen in Frei- und Hallenbädern und anderen Einrichtungen (danke Corona), sind Schulungen und Infokurse bezüglich dieses Themas dieses Jahr oftmals zu kurz gekommen. Um dem entgegenzuwirken haben wir von Lustloszugehen uns überlegt dieses Thema aufzugreifen und damit einen hoffentlich kleinen Beitrag zu leisten. Hier also mal ein Beitrag der anderen Art – unser erster Wissenspost.

Meeresströmungen – wie entstehen die eigentlich?

Grundsätzlich befinden sich Wassermassen im Meer ständig in horizontaler oder vertikaler Bewegung. Einer der Gründe hierfür sind die Temperaturunterschiede des Wassers. Denn in Abhängigkeit der geographischen Lage ist das Wasser an der Oberfläche unterschiedlich warm oder kalt. Da kaltes Wasser eine größere Dichte hat, sinkt es ab, während das wärmere Wasser wieder in Richtung Oberfläche steigt. Es entsteht eine vertikale Strömung, welche man Tiefenströmung nennt.

Bildquelle: WorldOceanReview, https://worldoceanreview.com/en/wor-1/climate-system/great-ocean-currents/

Darüber hinaus führen höhere Temperaturen und damit verbundene höhere Verdunstungsraten außerdem dazu, dass das Wasser je nach geographischer Lage einen anderen Salzgehalt und damit eine unterschiedliche Dichte aufweist. Somit entstehen weitere Meeresströmungen.

Auch unser geliebter Wind hat Einfluss auf das Wasser. Denn mit jeder Brise, die übers Wasser gleitet, wird Reibungswiderstand und Energie erzeugt. Diese wiederum verursacht Oberflächen– oder auch Driftströmungen. Diese Art von Strömung ist eine eher horizontale Strömung, die am größten an der Meeresoberfläche ist und deren Stärke nach unten hin relativ schnell abnimmt. 

Die wohl sichtbarste Strömung ist die Küstenströmung. Diese entsteht durch die Anziehungskraft des Mondes beziehungsweise durch die Gezeiten, wenn Wassermassen entweder von der Küste weggezogen oder aber auf die Küste gedrückt werden.

Regionale Strömungen und ihre Einflussfaktoren

Global, wie auch regional werden Strömungen grundsätzlich von den oben genannten Faktoren Wind, Temperatur, Salzgehalt, sowie dem Mond beeinflusst. Dennoch gibt es lokal unterschiedliche Gegebenheiten, welche die regionalen Strömungen nochmals mehr beeinflussen können. Diese sind zum Beispiel die Topographie (beispielsweise Molen, Vertiefungen im Meeresboden, Sandbänke…), Tiden beziehungsweise der Tidenhub oder auch der so genannte Swell (bewegte Wassermassen). 

Strömungsarten

Rip Current – Achtung, Strömung!

Der so genannte Brandungsrückstrom (engl. rip current) oder auch Trecker genannt ist die wohl häufigste und gefährlichste Gefahrenquelle für Badegäste und Wassersportler. Gerät ein Schwimmer, Surfer oder Badegast in diese Strömung hinein, so wird er unweigerlich auf das Meer hinausgezogen. Rip Currents entstehen vor allem durch vorgelagerte und sich immer wieder verändernde Sandbänke, welche das Wasser nach dem Auftreffen auf den Strand dabei hindern geregelt zurückzufließen. Da das Wasser sich immer den Weg des geringsten Widerstandes sucht, fließt es dann gebündelt zwischen den Lücken und Rinnen der Sandbänke zurück und erzeugt damit einen umso stärkeren Rückstrom, gegen den ein Anschwimmen unmöglich ist (siehe Grafik unten). Rip Currents sind für Laien sehr schwer zu erkennen. Am besten erkennt man diese aus der Vogelperspektive. Am Strand kann man Rip Currents auch am Brechen der Wellen erkennen. Ist dieses nämlich unterbrochen und das Wasser eher schaumig und kreuselig, lässt dies auf einen Rückstrom schließen.

Bildquelle: Spektrum, https://scilogs.spektrum.de/mente-et-malleo/repost-achtung-brandungsrueckstroemung-mit-video/

Rip Tide: Gezeitenabhängig und besonders gefährliche Strömung

DIe Rip Tide ist wie der Name schon sagt, eine gezeitenabhängige und daher besonders gefährliche Strömung. Sie ist dort am Stärksten, wo der Tidenhub – also der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser – am größten ist. Denn je höher der Tidenhub ausfällt, um so mehr Wassermassen werden bewegt. Gut betrachten kann man dieses Phänomen beispielsweise an der Nordsee. Hier beträgt der Wechsel zwischen Hoch- und Niedrigwasser lediglich um die 6 Stunden (gut zu sehen ist das übrigens hier im Gezeitenkalender von Sankt Peter Ording). Aus dieser kurzen Zeitspanne zwischen dem das Wasser “verschwunden” und wieder da ist, lässt sich schließen, dass diese Wassermassen mit einer ziemlichen Geschwindigkeit und vor allem einer ziemlichen Kraft bewegt werden müssen. Und genau das macht diese Strömung so gefährlich. Denn mit ihrer Kraft kann sie nicht nur Menschen, sondern sogar Boote bis auf 500 m auf das Meer hinausziehen.

Undertow – spooky, aber verhältnismäßig harmlos

Der so genannte Undertow ist ein Sog, welcher insbesondere in hüft tiefem Wasser in Verbindung mit Wellen auftritt. Erlebt haben ihn wohl bereits die meisten. Denn er tritt dann auf, wenn große Wellen und somit ganze Wassermassen kraftvoll am flachen Ufer brechen. Denn dann vermischen sich die brechenden  Wassermassen mit Sand und verbinden sich auf dem Rückweg ins Meer mit der nächsten anrollenden Welle. Aufgrund dieser Verwirbelungen entsteht eine Art Waschmaschine, die Badegäste, wie auch Wassersportler ordentlich durchschüttelt.

Was sich spooky und unkontrollierbar anfühlt, ist aber in den meisten Fällen halb so wild. Denn im Normalfall verliert sich der undertow nach ein paar Metern, sodass es möglich ist wieder zum Strand zurückzuschwimmen. Dennoch vorsehen sollten sich Kinder, ältere Menschen und vor allem Nicht-Schwimmer. Denn oftmals werden die Sogkraft des Wassers, sowie die potenziellen Folgen nach dem Durchschütteln (bspw. kurzzeitige Orientierungslosigkeit) völlig unterschätzt. 

Ok, alles schön und gut, aber wie komme ich da wieder raus?

Aufklärung über Strömungen ist natürlich gut. Dennoch gehen die meisten davon aus niemals in eine solche Gefahr zu geraten. Und passiert es dann schneller als man es hinschauen kann, dass man in Richtung des offenen Meeres treibt und denkt “oh Shit”.  Was also tun, wenn dieses Szenario eintritt?

Regel Nummer 1 – Zunächst einmal und unabhängig davon, in welche Art von Strömung man gerät, ist es wichtig Ruhe zu bewahren. Denn Panikattacken verbrauchen wertvollen Sauerstoff und Energie, welche Du später beim Zurückschwimmen brauchen wirst.

Regel Nummer 2 – versuche niemals gegen die Strömung anzuschwimmen. Egal wie sehr und geübt Du bist, wenn Dich das Wasser zurückzieht, wirst Du nicht dagegen anschwimmen können.

Regel Nummer 3 – Viele Rip Currents sind meistens nur wenige Meter breit. Suche Dir Deinen Ausweg am besten parallel zum Ufer (ob links oder rechts ist egal. Du solltest Dich nur für eine Richtung entscheiden). Sobald der Sog schwächer wird, solltest Du (insofern vorhanden) eine kleine Welle ansteuern können und mit dieser wieder an den Strand gelangen können. Hier haben wir auch ein Video verlinkt, in welchem die Rippströmung, sowie das Verhalten in einer solchen Strömung erläutert werden.

Regel Nummer 4 – Lasse Dich von der Strömung treiben, bis sie sich verläuft. Dies ist insbesondere bei Rip Currents der Fall. Denn eine diese Art von Strömung “verläuft” sich normalerweise nach ein paar Metern. Oft verläuft sie sogar kreisförmig, sodass Ihr Euch ein Stück von ihr in Richtung Ufer tragen lassen könnt. 

Regel Nummer 5 – Mache andere auf Dich aufmerksam (bspw. durch Winken) aber gerate nicht in Panik.

Wie kannst Du Dich vorsehen?

Flaggen am Badestrand – die meisten populären, gut besuchten Badestrände haben entweder Rettungsschwimmer und/oder Flaggen aufgestellt, welche Gefahren ausweisen.

Grundsätzlich gilt:

Ist eine Flagge rot, ist das Baden verboten.

Ist eine Flagge gelb, ist das Baden gefährlich, aber nicht verboten.

Ist eine Flagge grün, ist das Baden erlaubt und ungefährlich.

Auch die Restaurants/Surfschulen am jeweiligen Spot kennen die Tücken ihrer Strände und Meere. Informiere Dich unbedingt dort, bevor Du ins Wasser gehst.

Wie kann ich helfen?

Solltest Du bemerken, dass sich ein jemand in eine Strömung geraten ist, ist es vor allem wichtig schnell professionelle Hilfe zu besorgen. Das kann beispielsweise ein Rettungsschwimmer sein. Insofern das nicht möglich sein sollte, schnapp Dir das nächste Telefon und wähle die 112.

Roadtrip Holland, Scheveningen Strand
Scheveningen Strand

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