Aus dem Leben Deutschland

Frankfurt, eine Geisterstadt!

Die Mainmetropole in Zeiten von Corona

Es ist kurz vor 7 Uhr als ich am 20. März 2020 über die menschenleere Mainzer Landstraße fahre, Hauptverkehrsstraße und absoluter Knotenpunkt in der hippen Main Metropole. Heute bin ich alleine hier. Alleine zwischen den großen Türmen, die seit Tagen verlassen scheinen. Die vierspurige Straße habe ich für mich bzw. für mein Rad alleine.

Wenn ich vor knapp vier Wochen noch Fasching feiern war und das Thema Covid-19 „Corona“ noch weit weg schien, ist es heute präsent – morgens, mittags und abends – einfach ständig und überall. Es fühlt sich surreal an, aber Corona ist in Frankfurt bzw. Deutschland angekommen und hat uns härter getroffen als wir es wahrscheinlich je vermutet hätten.

Frankfurt´s Altstadt ist wie ausgestorben zu Corona Zeiten.

Corona, nun auch in Frankfurt angekommen.

Seit am Mittwoch viele Geschäfte geschlossen haben, hat sich Frankfurt, die Main Metropole und das Finanzcenter Deutschlands gefühlt zur Geisterstadt entwickelt. Hat es sich Anfang der Woche noch ein bisschen nach Ferienzeit angefühlt, ist es nun menschenleer und fast unheimlich.

Frankfurt zu Corona Zeiten, leere Straßen, auch zur Rushhour.
20. März 2020 – heute, auf dem Weg zur Arbeit wird mir klar, dass nichts mehr so wird wie es einmal war.

Ich persönlich habe bis zum letzten Wochenende, der Monatsmitte, ein völlig anderes Bild von Corona und den Auswirkungen für uns gehabt. Corona in Deutschland oder gar direkt vor meiner Nase in Frankfurt? Niemals!

Heute glaube ich, dass uns das Thema Corona langfristig beschäftigen wird, das nichts mehr wird wie es einmal war. Ich bin sogar schon dabei mich mit dem Gedanken zu beschäftigen meine Weltreise zu verschieben und kann mir die langfristigen Auswirkungen nur bedingt vorstellen.

Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen wo der Weg hinführt. Vielleicht werden die Maßnahmen der Regierung ggf. noch angepasst und/oder verschärft werden, wir wissen es nicht. Wobei das natürlich alles nur Spekulation ist und ich an dieser Stelle nicht über richtig und falsch sprechen möchte.

Corona, eine Chance für jeden Einzelnen und damit auch für die Gesellschaft?

Wer mich kennt, der weiß ich bin durch und durch Optimist. Das Glas ist halb voll und es könnte immer schlimmer sein. Ja, auch in Corona Zeiten schaue ich in andere Länder und denke mir, es könnte uns schlechter gehen. Aber auch mich hat kurzzeitig die Angst und Verzweiflung eingeholt. Ich war unsicher und hatte Panik vor dem was da auf uns zukommt.

Aber ich kann auch die Ängste meiner Mitmenschen verstehen oder versuche es zumindest. Jeder kennt das Glücksgefühl nachdem er seine Angst überwunden hat oder? Ich denke hier z.B. an meinen letzten Zahnarztbesuch. Ich hab schon Tage vorher Angst und wenn ich dann auf dem Zahnarztstuhl sitze, bekomme ich schweißnasse Hände und gefühlt tut es schon weh in dem Moment, in dem der Zahnarzt sagt „Jetzt öffnen Sie doch mal den Mund“

In der Antizipation dieses Gefühls steigern wir uns in Ängste hinein, die uns völlig überwältigen können, wenn wir es zulassen. Wenn wir dann allerdings den Prozess durchlaufen sind, kommt es zum Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wieder jung und frisch und wir sind plötzlich voller Tatendrang. Coping heißt also nichts anderes als „bewältigen“. Neurobiologisch wird dabei das Angst-Adrenalin durch Dopamin ersetzt, sowas wie eine körpereigene Zukunfts-Droge.

Während uns Adrenalin zu Flucht oder Kampf verleitet, öffnet Dopamin unsere Hirnsynapsen: Wir sind gespannt auf das was kommen mag, sind neugierig und vorausschauend. Wenn wir einen gesunden Dopamin-Spiegel haben, schmieden wir Pläne, haben Visionen, die uns in die vorausschauende Handlung bringen.

Frankfurt wirkt zu Corona Zeiten wie ausgestorben, fast unheimlich.

Genau diesen Prozess habe ich in den letzten Tagen durchlebt, nicht zuletzt durch die Wahrnehmung der Stadt Frankfurt, welche nahezu lahm gelegt wurde durch Corona. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt »endet« so wie wir sie heute kennen. Aber das Leben geht auch weiter und man sollte die Zeit so gut wie möglich nutzen und das Beste draus machen.

„Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen.”

Slavo Zizek, Coronakrise Mitte März

Frankfurt, eine Stadt verändert sich spürbar durch Corona und du?

Spaziergänge? Nachbarschaftshilfe? Blut- und Plasmaspenden? Sport oder neue Hobbies? Und vielleicht mal wieder mehr auf die Ernährung achten? Das sind die Dinge mit denen ich versuche mich zu beschäftigen, abzulenken und mit meiner neu gewonnenen Zeit Sinnvolles anzufangen.

Oft ist es gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Tja, dank Corona ist dies von ganz alleine geschehen, das Rädchen hat angefangen zu drehen und jeder der mutig genug war etwas zu verändern ist drauf gesprungen oder tut es vielleicht noch?

Was hat sich getan seit das Covit-19 in Deutschland angekommen ist?

Jede Woche oder sogar täglich gibt es neue Bestimmungen, Regeln, Verordnungen die geändert werden.

  • Seit 17. März sind die Schulen geschlossen. Nun gibt es Homeschooling.
  • Abgesagte bzw. verschobene Abschlussprüfungen.
  • Klebestreifen auf Böden in Lebensmittelgeschäften und anderen Einrichtungen, um den Abstand zwischen den Kunden (mindestens 2 m) zu halten. 
  • Spuckschutz an den Kassen.
  • Begrenzte Anzahl von Personen innerhalb der Geschäfte, sowie Anstehen vor den Ladentüren.
  • Restaurants, Bars und Cafés mussten geschlossen werden, McDonalds und Co. gibt es nur noch im Drive in.
  • Nicht unbedingt notwendige Geschäfte mussten ebenfalls geschlossen werden, auch Friseursalons, Kosmetikstudios etc.
  • Parks, Wanderwege und ganze Städte wurden gesperrt um Menschenansammlungen zu vermeiden.
  • Die ganze Sportsaison wurde gestrichen, Olympia sogar verschoben.
  • Konzerte, Touren, Festivals, Unterhaltungsveranstaltungen sind abgesagt.
  • Hochzeiten, Familienfeiern, Feiertagsversammlungen wird es nicht geben. 
  • Beerdigungen finden mit maximal 10 Personen statt, es sind keine Umarmungen erlaubt.
  • Kirchen sind “geschlossen”, es finden keine Gottesdienste statt.
  • Keine Versammlungen erst von 50 Personen oder mehr, dann 20 oder mehr, seit dem 23. März Kontaktverbot für mehr als 2 Personen.Wir müssen Abstand voneinander halten.
  • Kinderspielplätze sind geschlossen.
  • Die Regierung schließt die Grenze für alle nicht unbedingt notwendigen Reisen.

Für Verstöße gegen die Regeln werden teilweise Geldstrafen (bis zu 25.000 Euro) verhängt.

Und was bringen diese Regeln mit sich?

  • Mangel an Masken, Kitteln und Handschuhen für unsere Helden an der Front.
  • Mangel an Beatmungsgeräten für Schwerkranke.
  • Panikkäufe setzen ein, es gibt kein Toilettenpapier, keine Desinfektionsmittel, kein Mehl und Nudeln, kein Handdesinfektionsmittel und keine Hefe.
  • Der Dieselpreis auf Tiefstpreis 1,08 €.
  • Destillen, Brennereien und andere Unternehmen stellen ihre Produktionslinien um, um bei Herstellung von Visieren, Masken, Handdesinfektionsmitteln und PSA zu unterstützen.
  • Deutschland holt etwa 200.000 Deutsche aus dem Ausland zurück.
  • Stadien und andere Freizeiteinrichtungen sind geschlossen, aber öffnen sich zeitgleich als Behelfskrankenhaus etc. für den Überlauf von Covid-19-Patienten, die keinen Platz mehr in Kliniken finden.
  • Täglich Pressekonferenzen von der Regierung und des RKI. Tägliche Updates über neue Fälle, Genesungen und Todesfälle.
  • Anreize der Regierung, zu Hause zu bleiben, Milliarden Euro an Unterstützung für Selbständige, Unternehmen, Arbeitnehmer etc.
  • Medizinisches Personal hat Angst davor, nach Hause zu ihren Familien zu gehen.

Nur damit wir es nicht vergessen: es handelt sich um die neue Covid-19-Pandemie, die im Februar 2020 ausgerufen wurde.

Das Mainufer in Frankfurt ist zu Corona Zeiten so gut wie ausgestorben.
Das Mainufer bei schönstem Frühlingswetter.

Ein Blick in die Zeit nach Corona

Wann wird diese sein und wie wird diese aussehen? Wann diese sein wird ist ungewiss, aber eines ist gewiss: Frankfurt hat sich verändert, die Welt ist eine andere geworden. Für mich fühlt es sich noch unwirklich an und ich habe das Gefühl, als müsse mich jemand kneifen damit ich aufwache.

Jeden Tag denke ich daran und jeden Tag wird mir schmerzlich bewusst, das hier ist kein Traum. Die Welt in der ich groß geworden bin gibt es so nicht mehr.

An dieser Stelle möchte ich euch eine gute Zeit wünschen, macht das Beste daraus und vor allem: bleibt gesund!

Vielleicht ist diese Zeit eine Chance, um zu erkennen, was wirklich zählt und zu überlegen, wie es danach weiter geht? Wer ist wichtig für mich, wem zeige ich dies zu selten? Was ist es, das mich glücklich macht, mir Frieden schenkt? Wie möchte ich leben, wenn ich erneut die Chance dazu bekomme?

Clara Louise
Lesetipp:

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Optimistische, sportbegeisterte & sture Trotzdem-Macherin. Seit ich 2012 das erste Mal meinen Rucksack gepackt habe, bin ich zum Reise-Suchti mutiert. Immer auf der Suche nach dem Neuen und Unbekannten.

Kommentare

  1. Ich bin wirklich sehr gespannt, was Corona mit uns als Gesellschaft macht.
    Schön wäre, wenn etwas Positives aus der Krise zurück bleibt. Ich denke, genau das können wir jetzt schaffen, wenn wir nicht in alte Muster zurück fallen – nur weil es einfacher ist.

    Liebe Grüße und pass auf Dich auf, Katja

  2. Liebe Isa, eine komische Zeit, die wir da durchleben und nichts wird mehr sein wie vorher. Aber auch ich sehe die Chancen und hoffe das beste für uns alle. Ganz liebe Grüße, Cindy

  3. Huhu,

    ehrlich gesagt fühle ich mich von dem Thema erdrückt … Überall hört man nichts anderes mehr. Ich finde zum Beispiel die Geschäfte zu schließen nicht so gut. Die ganze Wirtschaft geht runter, Firmen gehen pleite … und der Staat gibt einen Kredit, wow! Sobald wieder alles offen ist, Schule wieder auf hat, da geht das mit der Infektionswelle direkt wieder los. Wir schieben es nur auf… wir beim Zahnarzt arbeiten auch weiter, denn es muss weitergehen. Es sollte halt gewisse Vorschriften geben, aber alles zu schließen halte ich für falsch …

    Auch das Thema Mundschutz bei Einkauf etc … Selbstgenähte Mundschutze finde ich ok zum einkaufen etc., aber die medizinischen sollten für das Gesundheitswesen bleiben … man sieht, man kann ewig diskutieren…

    LG
    Steffi

    • Ja liebe Steffi, da bin ich bei einigen Punkten voll bei Dir, eins ehr schwieriges Thema. Dennoch denke ich, gerade jetzt ist es an der Zeit nachzufragen und zu hinterfragen – deshalb: mach weiter so!

      Vielen Dank für deinen wertvollen Kommentar, hat mich sehr gefreut!

      VG Isa

  4. So schnell wie Corona plötzlich da war, wird es wohl leider Gottes nicht verschwinden! Ich befürchte, das wird uns noch ein ganzes Weilchen begleiten und hoffentlich nicht noch schlimmer werden! 🙁

    Liebe Grüße
    Jana

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